Alleinbleiben

 

Einsamkeit empfinden Welpen für sehr bedrohlich. In freier Wildbahn würde ein Alleinbleiben für den Welpen den sicheren Tod bedeuten. Natürlich muss und kann der Welpe trotzdem lernen, auch einige Zeit allein zu sein.

 

Auch erwachsene Hunde sind als sozial lebende Rudeltiere nicht darauf eingestellt allein zu sein. Das ständige, lange Alleinlassen des Hundes - egal ob im Zwinger, im Garten, in der Wohnung oder im Auto ist ein artwidriger Zustand!

 

Da wir unsere Hunde aber allein lassen müssen, muss der Welpe langsam und behutsam an das Alleinbleiben gewöhnt werden. Wenn Welpen in der Abwesenheit des Besitzers jaulen, bellen, in die Wohnung machen oder Dinge zerlegen, gründet sich dies in den meisten Fällen auf Trennungsangst oder Langeweile.

 

Bestrafen Sie niemals Ihren Welpen für eine Sache, die er in Ihrer Abwesenheit verbrochen hat. Er verknüpft die Bestrafung lediglich mit Ihrer Wiederkehr, was zur Störung seines Vertrauensverhältnis in Sie führen kann. Er verknüpft die Strafe nicht mit seiner Missetat! Strafe wirkt grundsätzlich nur, wenn man den Hund dabei ertappt. Auch wenn sie meinen, der Welpe schaue Sie schuldbewusst an, so ist das in Wirklichkeit nur seine Reaktion auf Ihre ärgerliche Ausstrahlung, die der Hund bereits merkt, bevor Sie überhaupt einen Ton gesagt haben.

 

Hunde unterscheiden sich von der Wesensveranlagung, wie gut sie allein bleiben können. Manche Menschen haben nie Probleme mit ihren Welpen, andere müssen in kleinen Schritten das Alleinsein trainieren.

 

Was Sie nicht machen sollten:

Große Verabschiedungsszenen verbunden mit tröstendem Knuddeln und Schmusen.

 

Große Wiedervereinigungsszenen: Tür auf, begeistert auf das arme zurückgelassene Hündchen stürzen, herzen und küssen, dafür loben, wie brav es gewesen ist.

 

Was Sie machen sollten:

Nachdem der Welpe eine Woche bei Ihnen ist, sollten Sie täglich mehrmals das Alleinbleiben üben. Anfangs lehnen Sie die Tür an, wenn Sie in einen anderen Raum gehen und der Welpe hinterher kommt. Für die Dauer des morgendlichen Duschens muss er vor der Badezimmertür sitzen, Sie bringen den Müll zur Haustür hinaus/hängen die Wäsche auf, ohne dass der Welpe Sie begleiten darf.

 

Steigern sie die Dauer Ihrer Abwesenheit minutenweise.

 

Üben Sie anfangs das Alleinbleiben vor allem zu Zeiten, zu denen der Welpe müde ist (nach einem Spaziergang).

 

Verzichten Sie auf Verabschiedungsszenen. Verlassen Sie kommentarlos das Haus, egal ob Sie kurz zum Nachbarn oder ins Kino gehen.

 

Wenn Sie nach Hause kommen, sagen Sie nur kurz "Hallo" zu Ihrem Hund, stellen die Tasche zur Seite, ziehen den Mantel aus. Erst jetzt wird er mit Streicheleinheiten begrüßt.

 

Große Verabschiedungs- und Begrüßungsszenen putschen die Situation nur auf. Auch wenn es schwer fällt, sich nicht sofort nach der Heimkehr auf den lieben Welpen zu stürzen, halten Sie sich lieber zurück.

 

Räumen Sie vorrausschauend die Dinge zur Seite, von denen Sie wissen, das Ihr Welpe sie anknabbern könnte: Schuhe, Plüschtiere, Wäsche, Lebensmittel, den Mülleimer. Sie ersparen sich Ärger. Vor allem verhindern Sie Erfolgserlebnisse des Hundes, die ihn dazu verleiten würden, bei nächster Gelegenheit wieder zuzuschlagen.

 

Geht er an Dinge, die Sie nicht wegräumen können (knabbert er eine Türzarge an), so können Sie diese mit Tabasco einreiben oder mit "Bitter Apple" (aus der Zoohandlung) einsprühen. Das schmeckt für den Hund so ekelig, dass er zukünftig darauf verzichten wird.

 

Versuchen Sie niemals zum Hund zurückzukehren, wenn der gerade am Jaulen oder Bellen ist. Er denkt sonst, sein Bellen als Hilferuf habe Sie erfolgreich zurückgeholt, so dass er diese Methode zukünftig immer wieder anwendet. Auch der hartnäckige Beller muss erst einmal für kurze Zeit Luft holen. In dieser Sekunde öffnen Sie die Tür.

 

Machen Sie keine zu großen Trainingssprünge. Sie können nicht wochenlang langsam die Abwesenheit von wenigen Minuten auf eine Stunde steigern und erwarten, dass er vier Stunden verkraftet. Versuchen Sie dann lieber einen Hundesitter zu finden.

 

Binden Sie den Hund im Haus, Garten und auf den Spaziergängen einfach mal für kurze Zeit an, ignorieren ihn und kehren zurück, wenn er sich ruhig verhält. Alles ohne großes Getue!

 

Erwidern Sie nicht grundsätzlich jedes seiner Kontaktangebote, sondern ignorieren Sie ihn auch mal. So lernt er, dass Sie nicht jede Minute für ihn verfügbar sind.

 

Wenn Sie angesichts neuer Verwüstungen oder Ärger mit den lieben Nachbarn (die sich über das Geheule beschweren) in Wut geraten, halten Sie einen Moment inne und fragen sich, ob Sie es einem Kleinkind zumuten würden stundenlang sich selbst überlassen zu sein.

 

Vermutlich wohl kaum - aber Welpen sind eben auch nur "Kleinkinder"!